Angst, und wie man damit umgeht, Teil II

 

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Das richtige „Mindset“

Das Training des richtigen „Mindset“ spielt in Krav Maga Global eine große Rolle. Es gibt eine recht weit entwickelte Systematik, um außer dem körperlichen Training vor allem an der Entwicklung der mentalen Fähigkeiten zu arbeiten.

Hierbei sprechen wir meist von fünf verschiedenen Strategien: Visualisierung, Zielsetzung, positive Selbstgespräche, die (mentale) Kampfhaltung (dazu zählen: Mut, Entschlossenheit und Aggression) sowie Entspannung. Diese fünf Strategien sollen dazu beitragen, vor allem folgende Fähigkeiten in uns zu entwickeln und zu fördern:

Selbstbewusstsein, physische Selbstkontrolle, mentale Selbstkontrolle (gezielte sowie geteilte Aufmerksamkeit), Impulskontrolle, Visualisierung, Engagement und Einsatz, Selbstgespräche sowie das konstante Arbeiten an einer insgesamt guten körperlichen Verfassung. All diese Fähigkeiten helfen dabei, das Angstempfinden, wie man es normalerweise in einer Kampf- oder einer Selbstverteidigungssituation verspüren würde, zu reduzieren. Zusätzlich helfen sie uns natürlich auch, in anderen, weniger schwierigen Situationen ruhig zu bleiben, da unser Gehirn solche als weit weniger bedrohlich empfinden wird.

Angst: Mentales muss physisches Training ergänzen

Selbstverständlich verbessert rein physisches Training von Kampfsport oder Selbstverteidigung die Fähigkeit Konfrontationen auch mental standzuhalten, immens. Unser Gehirn trainiert auch bei rein physischem Training mit. Dennoch lassen sich unsere Fähigkeiten und Ressourcen durch eine gezielte mentale Vorbereitung erweitern.

Wes Doss beschrieb 2007 in seinem Buch „Condition to Win“ folgenden Punkt: „In Kombination mit physischer und mechanischer Fertigkeit erfordert das Dasein eines Kämpfers vor allem mentales Können. Noch immer wird mentales Training, in Bereichen in denen physische Kraftwirkung oder auch Konfliktmanagement eine Rolle spielen, vernachlässigt“.

Im Krav Maga, wie es in Krav Maga Global gelehrt wird, lassen sich Aspekte des mentalen Trainings in fast jedem Teilbereich des regulären Trainings finden. Als Trainierender mag man sich dessen nicht immer unbedingt bewusst sein, aber neben den technischen Aspekten konzentrieren wir uns immer auch auf physische, taktische und mentale Aspekte dessen, was wir tun. Eine angemessene Kampfhaltung berücksichtigt alle dieser Aspekte, und als Krav Maga Trainierende/r ist es wichtig sich dessen, und besonders der Gewichtung des mentalen Aspekts, bewusst zu sein.

Angst: Mentales Training bei den Green Berets

In der professionellen Sportwelt ist Mentaltraining seit Jahren ein fester Bestandteil. Und auch in anderen professionellen Bereichen hat Mentaltraining in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr Aufmerksamkeit erfahren. Die „Green Berets“, die dienstälteste Spezialeinheit der US Army, starteten in den 80er Jahren ein Programm zum mentalen Training. Der Name dieses Programms lautete dabei bezeichnenderweise: „The Jedi Project“; das Ziel dabei: die mentalen Kapazität des „Operateurs“ zu verbessern um ihn zu einem besseren Soldaten zu machen. Das Programm beinhaltete vor allem Methoden und Techniken des Neuro-Linguistischen-Programmierens (NLP) und war sehr erfolgreich.

Eyal Yanilov selbst hat auf diesem Gebiet Pionierarbeit geleistet als er bereits in den 80er Jahren NLP und andere Formen des Mentaltrainings in das System von Krav Maga integrierte. Seit vielen Jahren wird NLP unter anderem in der norwegischen Militärakademie und verschiedenen Spezialeinheiten angewandt. Besonders erfolgreiche Anwendungen findet es bei stressintensiven Einsätzen wie Fallschirmspringen, dem Schiessen und im Nahkampf. Mit mentalem Training funktionieren Menschen einfach besser.

Studie bei Fallschirmjägern und Kampfpiloten

Eine Studie an Soldaten der norwegischen Air Force belegt, dass Affirmation (positive Bestätigung) die Leistung im Nahkampfschiessen nachhaltig beeinflusst. In Gruppen, in denen die Verwendung solcher Techniken vorher geübt wurde, stieg die Trefferquote. Die norwegische Navy, die Coastal Ranger Commandos, verwenden NLP innerhalb ihres Trainings und leisten nachweisbar bessere Performance auf ihren Missionen. Die norwegische Militärakademie hat an ihren Kadetten Untersuchungen durchgeführt; zur Stressreduzierung und -vermeidung beim Schiessen, Nahkampf oder dem Abseilen aus großen Höhen kommen nun standardmässig NLP-Techniken und Methoden zum Einsatz.

Auch die norwegische Air Force hat ein einjähriges Achtsamkeitsprogramm für Kampfpiloten eingeführt. All diese Programme zeigten eine Verbesserung der Fähigkeit der Teilnehmer mit Angst und Stress umzugehen. Zu Mentaltraining im Leistungssport lassen sich jede Menge Studien einfach über das Internet finden. Die grundlegenden Prinzipien sind dabei immer dieselben, unabhängig davon ob es sich um einen Krav Maga Trainierenden, einen Soldaten, einen Kampfkünstler oder einen Sportler handelt. Die jeweiligen Techniken werden – in Ihrem zentralen Inhalt unangetastet – nur der jeweiligen Umgebung und Situation angepasst.

Erwiesenermaßen ist es also möglich mit verschiedenen Arten des mentalen Trainings zusätzlich zum physischen Training einen besseren Umgang mit Angst und Stress zu bekommen. Zur Erläuterung ist es dennoch wichtig sich noch einmal genauer anzuschauen, was Angst und Stress genau ist.

Von Ole Boe, Krav Maga Expert Level 3, Militärpsychologe der norwegischen Armee und Mentaltrainer von Kampfpiloten, Sondereinheiten u.a.

(Deutsche Übersetzung von Julia Krust)

Nächste Folge: Was Stress und Angst sind und wie sie unsere Leistung beeinflussen (erscheint am Montag, 19. Oktober 2015)

 

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