Angst, und wie man damit umgeht, Teil I

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Stellen Sie sich folgende Szene vor: Sie haben gerade ein Training beendet und befinden sich nach einer kurzen Dusche auf dem Heimweg. Das Training war gut und entsprechend fühlen Sie sich. Sie haben Hunger, und weil das Training fordern war, entscheiden Sie sich für eine Abkürzung zu nehmen. Normalerweise gäbe es einen längeren Umweg, aber heute biegen Sie in eine schlecht beleuchtete Straße ein. Auf halbem Weg stellen sich Ihnen drei dunkle Typen in den Weg.

Wie reagieren Sie? Bereit zu kämpfen? Wegzurennen? Erstarren Sie und tun nichts? Angst? Stress? Bedrohung? Was, wenn die drei Typen nur nach der Uhrzeit fragen wollen? Ist das wahrscheinlich? Können Sie in dieser Situation klar denken? Wie viele Gedanken gehen einem in diesem Moment durch den Kopf?

Kung Fu-Meister und Filmstar Bruce Lee sagte einmal: „Erfahrung ist etwas, das man erst hat, nachdem man es gebraucht hätte“.

Stress-Festigkeit läßt sich trainieren

Wenn Sie das erste Mal tatsächlich in einer dunklen Straße ums Überleben kämpfen müssten, würden Sie nicht wissen, wie Sie reagieren würden. Wenn Sie schon hundertmal in dieser, oder ähnlichen Situationen gewesen wären, dagegen schon. Das ist nichts Neues, und Bruce Lee nicht die erste Person mit dieser Erkenntnis. Bereits 490 n.Chr. schrieb der chinesische Kampfkünstler und Philosoph Sun Tzu: „Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.“

Unabhängig davon ob und wieviel Erfahrung man im Kampf oder Selbstverteidigung hat, gibt es viele Techniken mit denen sich das Verhalten in Stresssituationen trainieren lässt. Und diese Techniken haben vor allem damit etwas zu tun, etwas an der Einstellung und der inneren Haltung zu verändern.

Angst: Mindset entscheidend

Ich habe viele Kämpfer gesehen, die im Training sehr gut aussahen, aber im tatsächlichen Kampf auf der Straße versagten. Warum? Zunächst einmal, weil sie die Wirkung von Angst und Stress ausserhalb einer geschützten Trainingshalle unterschätzt hatten. Vor allem aber hatten sie wenig Erfahrung mit mentalem Training, welches ihnen in stressigen Situationen und im Kampf geholfen hätte, sich zu verteidigen. Sie hatten in diesen Situationen einfach nicht das richtige „Mindset“ – die richtige innere Haltung.

Von Ole Boe, Krav Maga Expert Level 3, Militärpsychologe der norwegischen Armee und Mentaltrainer von Kampfpiloten, Sondereinheiten u.a.

(Deutsche Übersetzung von Julia Krust)

Nächste Folge: Das richtige „Mindset“ (erscheint am Montag, 12. Oktober 2015)


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