Crosstown 2009

Aischgrundhalle Adelsdorf: Für Tamir Gilad ist die Botschaft ganz einfach. “Wenn jemand nix Böses will, ist alles in Ordnung. Ist das Gegenteil der Fall – dann wissen wir, was zu tun ist”, sagt der Toplevel-Instructor der International Krav Maga Federation (IKMF), der in 60 Ländern weltweit vertretenen und damit weltweit verbreitesten Krav Maga-Organisation in einem Video-Interview zur Crosstown-Veranstaltung.

Um zu lernen, was im Fall eines gewalttätigen Angriffs zu tun ist – oder um vorhandene Kenntnisse der israelischen Selbstverteidigung Krav Maga auszubauen, kamen knapp 100 Interessierte vom 22. bis 24. Mai 2009 aus ganz Deutschland, aus Holland, Österreich, der Schweiz und Tschechien, sowie sogar aus Griechenland ins fränkische Adelsdorf bei Erlangen. Beileibe eben nicht nur Krav Maga-Routiniers, sondern auch Leute ohne Vorkenntnisse.

Sie folgten dem Ruf zum Crosstown-Seminar, der größten deutschen Krav Maga-Veranstaltung. Besonderheit dabei: Es wird ausschließlich in realistischer Umgebung trainiert. Dazu stellt das Team vom Krav Maga Center Nürnberg/Erlangen – besser bekannt unter dem griffigen Namen “Learn2fight” – die Aischgrundhalle im kleinen Ort Adelsdorf zur Verfügung: Im wesentlichen ein Schulgelände, dessen Räumlichkeiten drei harte Tage lang zweckentfremdet wurden.

Um die intensive Betreuung der Teilnehmer zu gewährleisten, kamen drei Instructors aus Israel: Außer Tamir Gilad vom Global Instructing Team vor allem der IKMF-Director Avi Moyal, einer der höchstgraduiertesten IKMF-Instructors außer IKMF-Head Instructor Eyal Yanilov überhaupt (Lebenslauf hier…) und Ilya Dunski. Ein neuer Name unter den IKMF-Instructors, doch so manchem SV-Interessierten womöglich indirekt bekannt: Dunski, vorher Military Instructor der Special Anti Terror School der israelischen Armee, war nach eigenen Angaben der Ausbilder der israelischen Streitkräfte, der in der IDF-Sequenz der bekannten “Human Weapon”-Show zu sehen war.

Zusätzlich waren eine Reihe deutscher Instructors mit von der Partie.

Trainiert wurden täglich von morgens bis abends Bedrohungen und Angriffe in den Umgebungen, in denen sie auch im wirklichen Leben vorkommen: In Diskothek und Restaurant, im Wasser (egal ob Hallen- oder Freibad oder Strand), in engen Räumlichkeiten (CQB-Training, also Close Quarter Battle) und im Bus (wobei die Trainingssequenzen in letzterem als übertragbar auf die Situation im Flugzeug gelten). Nicht zu kurz kamen Streßtrainings, Hindernis- und Szenarioparcours – dabei mussten die Teilnehmer eine Reihe von anstrengenden Problemsituationen lösen.

Die gezeigten und vermittelten Techniken und Taktiken bezogen sich dabei überwiegend auf die zivile Selbstverteidigung, zum Einsatz kamen aber auch Methoden und Mittel aus dem militärischen Krav Maga, sowie dem für Personenschützer und Skymarshalls. Wie Tamir Gilad betont, dient dies dem Zweck, den Zivilisten den Unterschied zwischen zivilem und professionellem Ansatz vor Augen zu führen bzw. um ein tieferes Verständnis von Krav Maga und seiner Fokussiertheit auf eine reale lebensbedrohliche Situation zu fördern. Dazu ist es eben didaktisch sinnvoll, zeitweise in die Situation eines (israelischen) Sicherheitsprofis zu versetzt zu werden.

Wer seine Künste im Umgang mit Faustfeuerwaffen verbessern wollte, konnte dies auf einer nahegelegene Schießanlage tun, ein Barbecue am Samstag abend diente der Geselligkeit. 48 Teilnehmer ließen es sich nicht nehmen, sich einem Test auf ein Practitioner-Level zu unterziehen, ebenso wurden sieben Teilnehmer auf ein höheres Graduate-Level geprüft.

Nächstes Jahr, so verspricht Matthias Birkner vom Krav Maga Center Nürnberg/Erlangen, wird Crosstown erweitert und noch mehr Training bieten. Die Veranstaltung, so steht zu erwarten, ist und bleibt das Ereignis im Jahreskalender eines jeden an realistischer Selbstverteidigung Interessierten.

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