Deeskalation: gewaltvermeidend kommunizieren

Krav Maga-Selbstverteidigungstechniken und -taktiken setzen ein, wenn alle Versuche zur Beschwichtigung eines sich anbahnenden Konflikts gescheitert sind: Wenn man das Messer am Hals fühlt, auf einen eingeschlagen, man gewürgt oder sonstwie massiv attackiert wird.

Im Training der weltweit führenden Krav Maga-Organisation Krav Maga Global berücksichtigt man die so genannte Pre-Fight-Phase, in der versucht wird, sich der Konfrontation zu entziehen. Der verbalen Deeskalation kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Doch im alltäglichen Technik- und Taktik-Training wie auch speziellen Simulationstrainings kann dem Thema nur ein gewisses Maß an Zeit zur Verfügung gestellt werden.

Deeskalation: Man kann nicht nicht-kommunizieren

In einem fünfstündigen Workshop boten wir daher am vergangenen Samstag mehr als 20 interessierten Teilnehmern die Möglichkeit, sich alleine mit Prävention und Deeskalation theoretisch wie praktisch auseinanderzusetzen. Für den Workshop konnten wir mit Holger Zwinscher, Krav Maga Global Expert 2-Level und Inhaber einer Security-Firma in Chemnitz einen erfahrenen Referenten gewinnen. Er erläuterte zuerst Grundsätzliches zu Kommunikation und Körpersprache, Mimik und Gestik, Blickkontakt und verbaler Sprache. Ebenso widmete er sich den verschiedenen Haltungstypen (ängstlich, aggressiv, selbstbewusst).

Beim Distanzenmodell ging Zwinzscher auch auf die Unterschiede in verschiedenen Kulturen oder Herkunftsregionen ein, bevor es in erste praktische Übungsrunden zu den genannten Elementen ging. Als Kommunikationsfehler gegenüber einem Aggressor nannte er u.a. Widersprechen, Kritik am Äußeren, Wortschatz oder Grammatik, Unterbrechen oder die Sätze des Gegenübers beenden bzw. verbessern, Beleidigungen und Drohungen.

Schlüssel zur Deeskalation: aktiv zuhören

Aktives Zuhören – ausreden lassen, nachfragen, Interesse zeigen, Pausen zulassen – galt ihm dagegen als wichtiges Element der Deeskalation: Dieses gilt auch bei der achtsamen Kommunikation im MBSR-Achtwochenkurs oder beim Modell der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall C. Rosenberg als wichtige Grundlage.

Nach Zwinzscher kommt es in der Regel zu drei Deeskalationsstufen: die visuelle Phase (Blick) geht in die verbale Phase über, danach kommt es zur Körperkontaktstufe. Diese Phasen konnten die Teilnehmer im Anschluss ausgiebig beim praktischen Szenariotraining üben.