Krav Maga für Fußball-Fanbeauftragte

Krav Maga für Fußball-Fanbeauftragte? Haben die das nötig? Doch, haben sie…

DFL-Fanbeauftragte

Fanbeauftragte der 1. und 2. Bundesliga – die erste Trainingsgruppe.

Fußball-Fanbeauftragte haben es nicht leicht. Sie stehen im Stadion oft zwischen allen Fronten und sehen sich vielerlei Anfeindungen ausgesetzt – von den Fans der gegnerischen Mannschaft, manchmal von den aufgeregten Fans der eigenen Mannschaft, manchmal von der Polizei, die in der Hitze des Gefechts Freund von Feind nicht unterscheiden kann.

Fanbeauftragte sind Angestellte der Profi-Fußballvereine, und damit sind sie obendrein auch noch Zielscheibe für diejenigen Fangruppen, die sich verselbstständigt haben und ein mitunter aggressives, vom Verein kaum zu kontrollierendes Eigenleben führen. In den Augen solcher „Fans“ sind die Fanbeauftragten so was wie Büttel der Vereine.

Der Schlichter kriegt auf die Lichter

Eigentlich sollen die Fanbeauftragten ja zwischen Fans und Verein vermitteln – in beide Richtungen: Den Fans die Haltung des Vereins, dem Verein die Meinungen der Fans. Aber wenn es hoch her geht, die Emotionen wild aufschäumen, gilt für die Fanbeauftragten, was schon immer galt: Der Schlichter kriegt auf die Lichter.

Kein Wunder also, dass die Fanbeauftragten der Vereine der 1. und 2. Bundesliga Bedarf an besserer Selbstverteidigung angemeldet – und sich dementsprechend an das Fan-Referat der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gewandt haben. Die DFL ist die Betriebsgesellschaft der 1. und 2. Bundesliga; der Ligaverband ein Zusammenschluss der deutschen Profi-Fußballvereine und vertritt deren Interessen (mehr dazu in der Wikipedia). Sie organisiert etwa die Fort- und Weiterbildung der Fanbeauftragten der einzelnen Profi-Fußballklubs übergreifend, und hat beispielsweise deren Fanbeauftragten auch in Rhetorik und Deeskalation schulen lassen.

Was aber wenn rhetorische und deeskalative Maßnahmen versagen und Stadion-Ordnungsdienst und Polizei weit weg sind? Ein Fanbeauftragter (es gibt auch weibliche) bewegt sich mitten unten den Fans; genau das ist sein Job. Und das nicht nur im, sondern auch vor dem Stadion, und auch in den Zügen. Im Stadion mögen Ordnungsdienst und Polizeikräfte noch relativ schnell zu Hilfe kommen, aber auch da muss ein Fanbeauftragter den ersten Aufprall, die erste Attacke erst einmal möglichst unbeschadet überstehen. Vor dem Stadion ist die Situation noch problematischer, und in den Zügen ist ein Fanbeauftragter ziemlich auf sich allein gestellt.

Es geht also um Krav Maga für Fanbeauftragte.

Selbstverteidigungstraining im Waldstadion

Daher hat sich die DFL an das Krav Maga Center Frankfurt/Rhein-Main gewandt, um den Fanbeauftragten eine grundsätzliche Selbstverteidigungsschulung, bezogen auf deren besondere Situation, den damit verbundenen Gefährdungen wie Möglichkeiten angedeihen zu lassen. Wir haben dann zwei zweitätige Trainingstermine anberaumt, zu denen alle Fanbeauftragte der Profiklubs der 1. und 2. Bundesliga eingeladen waren.

Besonderes Schmankerl dabei: Wir konnten das Stadion der Frankfurter Eintracht nutzen, um in der Live-Umgebung des Gästeblocks zu trainieren (in einem leeren, und zum Trainingszeitpunkt ziemlich zugigen Stadion allerdings). Für die Fanbeauftragten, bestenfalls gelegentliche Freizeitkicker, war das Training hart und ungewohnt anstrengend, aber sie haben sich tapfer geschlagen und durchgehalten. Respekt.