E2 Test -Vorbereitung: Ein Blick unter die Motorhaube Pt. III

Eat healthy

Ein (Rück-)Blick unter die Motorhaube

Teil 3 – Ernährung

In Teil 1 dieser kleinen Serie habe ich meine physisch-konditionelle Vorbereitung auf den schweren und schwierigen Krav Maga E2 Test zum in Israel beschrieben; in Teil 2 ging es um Regeneration & Relaxation sowie um die mentalen Aspekte, im abschließenden Teil 3 nunmehr um Essen und Trinken.

Auch bei meiner Ernährung überließ ich nichts dem Zufall, sondern praktizierte – wie im normalen Leben auch – Ori Hofmeklers Warrior Diet (Dazu grundsätzlich mehr hier: The Warrior Diet oder hier: How to start the Warrior Diet…).

Warrior Diet – kurz gefasst

Die Warrior Diet ist tatsächlich weniger eine Diät als eine Ernährungs- und Lebensweise. Man imitiert damit das Leben der frühen Menschen bzw. das von griechischen oder römischen Soldaten der Antike – so Ori Hofmeklers (früher bei den israelischen Special Forces) Idee. Will heißen: Den ganzen Tag mit geringer Nahrungszufuhr aktiv und wach unterwegs, dabei durchaus körperlich-geistig-seelische Höchstleistungen vollbringend (Jagd und Kampf) – und abends, nach erfolgreicher Bewältigung des anstrengenden Tages das große Essen am Lagerfeuer.

Warriordiet

Bei Jagd oder Marsch oder Kampf kann man bestenfalls kleine Portionen zu sich nehmen, sozusagen das, was man am Wegesrand findet oder an geringen Mengen Proviant bei sich trägt. Tagsüber isst man also nur kleine Portionen Obst und rohes Gemüse (etwa Karotten oder Kohlrabi), kleine Portionen Proteine in Form von Käse/weißer Yoghurt/Kefir/Ei, mittags vielleicht eine Miso-Suppe, besonders Nüsse – und meidet alle Kohlenhydrate. Abends dann die eine große Mahlzeit mit allem drum und dran (am besten 1-3 Stunden vor der Nachtruhe).

Trinken? Viel Wasser, frisch gepressten Frucht- oder Gemüsesaft, Kaffee und/oder Tee.

Rahmenrichtplan mit viel Platz für Eigeninterpretationen

Da man keine „richtige“ Mittagsmahlzeit zu sich nimmt, entfällt das Verdauungstief und damit verbundene Müdigkeit. Da man keine Kohlenhydrate zu sich nimmt, kickt das Insulin nicht rein – dieses vermittelt einem das Gefühl, hungrig zu sein und wieder etwas essen zu müssen… obwohl man doch zwei Stunden zuvor erst dieses leckere Brot mit Quark und Marmelade gegessen hat (da war doch alles drin, nicht wahr? Wieso schon wieder hungrig?).

Klingt kompliziert? Ist es erstmal nicht. Die Warrior Diet ist ein Rahmenrichtlinienplan, den man individuell sehr eigenen Bedürfnissen anpassen kann. Mancher meint, dass es ohne Fleisch nicht geht. Ist ok. Ich hingegen bin seit vielen Jahren Vegetarier und interesse mich für Veganismus (ohne konsequent zu sein).

Die Richtlinien der Warrior Diet mit Vegetarismus oder gar Veganismus in Einklang zu bringen, ist weniger kompliziert als aufwändig. Man muss sich halt gut überlegen, was man wann essen will und welche Einkäufe und welche Vorbereitungen es zu treffen gilt. Andererseits hat man diese Zeit gespart – das „ordentliche“ Frühstück und die „richtige“ Mittagsmahlzeit fallen ja weg.

Umbau des Metabolismus zu mehr Leistungsfähigkeit

Wach und aktiv, lebendig und unterwegs – ein solcher Lebensstil wird von der Warrior Diet propagiert; auch und gerade das bewusste Auswählen und Einkaufen von Lebensmitteln. Hofmekler spricht vom „Raubtier“-Verhalten, bei dem sich der Jäger seine Beute bewusst aussucht und erlegt, d.h. eine klar überlegte Wahl getroffen hat – während die übliche konsumistische Haltung (im Überangebot der Supermärkte einfach das einsammeln was da rumliegt) als „Aasfresser“-Verhalten apostrophiert wird: Man frisst, was einem vorgesetzt oder präsentiert wird, besinnunglos so schnell wie möglich in sich hinein.

Hofmekler nennt es „intermittierendes Fasten“, wenn er vom Wechsel der „Undereating Phase“ tagsüber und der „Overeating Phase“ abends/nachts spricht. Die „Unterernährungsphase“ dient seiner Meinung nach der Detoxification des Körpers gleichwohl wie der Anregung des Survival-Modus‘ des Körpers. Fest steht, dass die Warrior Diet sich nicht gerade konform zu gängigen Ernährungslehren verhält bzw. umstritten ist. Dem typischen Ernährungsberater von nebenan dürften die Haare zu Berge stehen, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung auch.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Warrior Diet passt zu aktiven, am Leben interessierten Menschen mit Leistungsbereitschaft und körperlich-geistig-seelischen Anforderungen. Für mich passt sie zumindest prima (und das muss sie nicht für alle Menschen). Mir gefällt, wie sich mein Metabolismus umgebaut hat: Ich habe keinen Schwindel oder Kopfschmerzen wegen eines niedrigen Blutzuckerspiegels mehr, kein Mittagstief, keine Schläfrigkeit und kann tagsüber lange Zeit ohne etwas zu essen auskommen, auch bei körperlicher Belastung.

Dieser Umbau des Metabolismus ist für mich eigentlich der wichtigste Effekt. Erstaunlich, wieviel Leute meinen essen zu müssen, um ihren Tagesablauf zu bewältigen. Hat jemand mal beobachtet, wie sich Berber-Nomaden und -Schafhirten in Marokko oder Buschmänner in der Kalahari tagsüber ernähren? Die Warrior Diet hat sich bei mir auch in Meditations-Retreats, Outdoor- und Offroad-Reisen in abgelegene Gegenden und (!) beim E-Camp bewährt.

Die Warrior Diet muss man testen und ausprobieren und anpassen und für sich auslegen und das Ergebnis überprüfen und wieder neu anpassen und… Es zählt nur: Tut sie einem gut, spürt man Nutzen oder Erfolg?

Warrior Diet beim E2 Test

EcampbreakfastDamit bin ich wieder beim eigentlichen Stichwort: In Israel gibt es viele Gemüse-, Hummus- (also Kichererbsen-) Gerichte, so dass das dort die Warrior Diet leicht praktizierbar ist. Ich achtete obendrein darauf, jeden Tag fast das gleiche zu essen – so dass sich der Körper im Laufe der Woche exakt an die Mahlzeiten gewöhnt hatte.

Das auf dem nebenstehenden Balkon-Foto zu sehende minderwertige Weißbrot ist übrigens eine persönliche Anpassung an die spezielle Situation: Die Warrior Diet sieht durchaus eine stärkere Protein- und Kohlenhydratzufuhr gegenüber dem Normalablauf vor und nach sportlichen Workouts vor. Ein solches Weißbrot verfügt (üblicherweise als Nachteil eingestuft) über kaum Ballaststoffe.

Gerade deswegen belastet es den Magen nicht beim Verdauungsprozess und gerade deswegen isst man so was beispielsweise vor einem Marathon oder Triathlon. Wenn man acht Stunden Krav Maga-Training im E-Camp vor sich hat, passt das also. In den kurzen Pausen zwischen den Übungseinheiten kann man die Kleinigkeiten mümmeln, die die Warrior Diet erlaubt, und in der anderthalbstündigen Mittagspause kann man sich dann – ohne von dem Zwang geplagt zu sein, sich groß zu verpflegen – Entspannungsübungen aus dem MBSR- oder Yoga-Repertoire widmen. Gerade wenn es nach der Mittagspause gleich mit dem Training weitergeht, ist es doch besser, keinen vollgefutterten Magen zu haben!

E2 Test: Professionalität vs. Spaß

WdfruehstueckUnd bitte keine Bemerkungen dazu, wo denn da der Spaß bliebe. Und der Genuß? Ist immer ein Fehler, kurz vor einem Level Test oder einem Rennen seine Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Besonders, wenn man sich an einer leckeren Speise in fremder Umgebung den Magen verdirbt… Wenn man im E-Camp nach einem so hohen Level wie dem Expert 2 strebt, verhält man sich besser professionell. Urlaub machen und Spaß haben kann man bei einer anderen Gelegenheit.

Abends mal ein kühles (!) Bier, ok. Bringt den Muskeltonus runter und hilft so bei der Entspannung. Aber eben in Maßen. Dagegen viel Wasser trinken – ich versuche eigentlich immer mindestens zwei Liter zu trinken, bei Hitze und Belastung mehr; eine permanent bei sich geführte Trinkblase oder Trinkflasche oder so was (Platypus). Und nicht auf die Sporternährungs-Industrie und deren Marketing-Abteilungen reinfallen – alles mögliche Zusatzzeugs braucht man nur bei extremen Belastungen oder Außentemperaturen (wie etwa beim Level Test), aber nicht im normalen Leben.