Ein Wochenende voller Krav Maga!

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Ein Wochenende voller Krav Maga! Am Samstag haben wir uns in einem Seminar den „Takedowns & Controls“ gewidmet, am Sonntag den „Gunthreat Defenses“ und sind danach auf die Schießanlage eines befreundeten Vereins gegangen.

Wurftechniken, neudeutsch: Takedowns, haben im Krav Maga recht wenig mit Würfen aus Judo, Ju-Jutsu, Ringen, Wrestling bzw. MMA zu tun. Und zwar weniger in biomechanischer bzw. technischer Hinsicht, als in Sinne des Einsatz- oder Verwendungszwecks.

Wochenende voller Krav Maga in zwei Kapiteln!

Würfe bedeuten immer eine erhöhte Eigengefährdung in der Selbstverteidigung, da der Gegner mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nach einem gemeinsamen Regel- oder Gewichtsklassensystem kämpft und obendrein seinem Anliegen mit verdeckt oder offen getragenen Waffen nachhilft. Auf der Sport-Matte, im Ring, im Käfig, mischen sich auch keine weiteren Gegner unvermittelt ein.

Von daher beschränkt sich Krav Maga auf eine wenige Takedown-Techniken, die vor allem dem Inhalt dieser Bezeichnung gerecht werden – jemanden zu Boden zu bringen, weil es die Situation oder weitere Umstände erzwingen. Daher richten sich die Krav Maga-„Takedowns & Controls“ auch vornehmlich an berufliche Anwender in Polizei, Personenschutz, Security, Rettungsdiensten, Psychiatrie-Personal etc.

Takedowns sind Mittel zu einem Zweck

All diesen ist gemeinsam, dass sie in der Regel ihren (Gegen-)Gewaltseinsatz so gering wie möglich halten sollten – und dass sie meist vor Ort bleiben müssen. Während für den Zivilbürger vor allem „Defend & Run“ gilt – er muss sich nicht damit aufhalten, jemanden zu Boden zu bringen und ggfls. festzuhalten, sondern soll sich so schnell wie möglich in Sicherheit bringen.

Takedowns im Krav Maga sind also Techniken, die strikt zweckgebunden und nicht bloß einen „nice-to-have“-Charakter haben. Im zivilen Bereich berechtigt sind allenfalls, wenn es darum geht, eine Situation nicht eskalatorisch aufzuheizen, sondern womöglich einen „good guy having a bad day“ zu Boden zu bringen und von weiteren unsinnigen, andere und vielleicht auch ihn selbst gefährdende Taten abzuhalten. Bis er sich beruhigt – oder die Polizei eintrifft.

Schusswaffenbedrohungen sind anders als Amokläufe

Diesem Ansatz widmete sich unser „Takedowns & Controls“-Seminar in vier Stunden, während wir am gestrigen Sonntag die „Gunthreat Defenses“ ins Visier nahmen. Bei diesen geht es vornehmlich um Bedrohungen aus der Nähe mit Kurzwaffen – gegen Distanztäter, womöglich in Amok-Manier, kann es per se keine Verteidigung im Nah-Kampf geben!

Auch geht man bei Bedrohungen davon aus, dass der Täter eine Absicht verfolgt bzw. ein Ziel erreichen will. Das wird in der Regel nicht der sofortige Tod des Opfers sein – denn wozu sollte er sonst drohen, und nicht gleich schießen?

Zwei grundlegende Krav Maga-Abwehrtechniken

Eine Amoklage unterscheidet sich also gänzlich von einem Überfall oder andersgearteten Drohung mit Waffengewalt, etwa bei einem Kid- oder Carnapping-Versuch. Wenn der Täter etwas erreichen will, besteht ein gewisser Handlungsspielraum.

Wir zeigten den Teilnehmern zwei grundlegende Abwehr-Techniken des Krav Maga, deren Ablauf es ermöglicht, gegen eine Vielzahl von Bedrohungen von vorne, von der Seite und von hinten wirksam zu werden.

Krav Maga Wochenende: im besten Sinne Aufklärung

Danach fuhren alle Teilnehmer auf eine Schießanlage im benachbarten Sprendlingen, um dort die grundsätzliche Handhabung von Pistole und Revolver kennen zu lernen. Denn wie kann man sich auf die Abwehr von vorgehaltenen Faustfeuerwaffen einlassen, wenn man nicht weiß, wie sie funktionieren, über welche Eigenheiten sie verfügen, was man wissen und beachten sollte – und zuguterletzt: Wie es sich für einen selbst anfühlt, einen todbringenden Gegenstand in der Hand zu haben und damit zu feuern.

Dadurch ensteht auch Respekt und Verantwortung. Und uns geht auch darum, durch zahllose Action-Filme geschürten Mythen und Märchen wie verzerrenden Medien-Berichten etwas entgegen zu setzen. Unser „Gunthreat Defenses & Shooting“-Kombikurs ist daher auch ein Stück Aufklärung.