Frauen Selbstverteidigungskurs am Wochenende

Frauen Selbstverteidigungskurs 8./9.2014

Frauen Selbstverteidigungskurs 8./9.2014

Frauen-Selbstverteidigungskurs am vergangenen Wochenende: Das Abschlussbild vereint Teilnehmerinnen, Trainierinnen und das männliche Angreiferteam des Live-Stress-Tests… Der Kurs und insbesondere der abschließende Hindernisparcours der besonderen Art stellt immer wieder hohe Ansprüche an alle (!) Beteiligten.

In jedem Frauen-SV-Kurs finden sich einige Teilnehmerinnen, die Gewalt- und Missbrauchserfahrungen machen mussten. Mit diesen gilt es zielführend und gleichwohl sensibel und empathisch umzugehen – ein Balanceakt, den das Trainerinnen-Team um KM-Instructor Beate Bechmann wieder bravourös hinbekommen hat. Davon zeugt jedenfalls das persönliche Feedback der Teilnehmerinnen

Selbstverteidigung für Frauen ist so viel mehr als nur Griffe, Schlagen, Treten und andere Techniken lernen! … Bei dieser Gelegenheit ein paar Zahlen als Hintergrundstoff:

Aus einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 5. März 2014:

Jede dritte Frau in Europa hat seit ihrer Jugend einmal Gewalt am eigenen Leibe erfahren müssen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Grundrechteagentur der Europäischen Union, die an diesem Mittwoch in Brüssel offiziell übergeben wird. Die Agentur hat dafür im Jahr 2012 rund 42.000 Frauen in allen 28 Ländern der EU persönlich – durch weibliche Interviewer – befragt. 33 Prozent haben angegeben, seit ihrem 15. Lebensjahr einmal oder mehrmals Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden zu sein. Acht Prozent gaben an, Derartiges sei ihnen im Laufe der vergangenen zwölf Monate widerfahren.
Die Zahlen unterscheiden sich teils massiv von Land zu Land. Die höchsten Gewaltraten gegen Frauen wurden demnach in Dänemark (52 Prozent), Finnland, Schweden und den Niederlanden gemessen, die niedrigsten in Polen (19 Prozent) und Kroatien. Deutschland liegt mit 35 Prozent etwa im EU-Schnitt.

Klare Unterschiede gibt es auch bei den Angaben, ob die Gewalt zu Hause erfahren wurde. In Deutschland gaben 22 Prozent an, durch ihren gegenwärtigen oder früheren Partner Gewalt erfahren zu haben und 24 Prozent durch einen Dritten (der Gesamtdurchschnitt von 35 Prozent kommt zustande, weil es einigen sowohl durch den Partner als auch durch andere widerfahren ist). In Lettland geschah das weitaus häufiger durch den Partner (32 Prozent) als durch andere (17 Prozent), auch in Rumänien oder Portugal ist diese Differenz sehr groß. In den Niederlanden, in Dänemark oder Frankreich ist der Anteil der Gewalterfahrungen außer Haus wesentlich höher. In jedem dritten Fall war eine Frau an der Tat beteiligt, in einem Viertel der Fälle wird allein eine Frau als Täter angegeben (in Fällen sexueller Gewalt sind es nur zwei Prozent).

Es ist die erste derart umfangreiche Erhebung über Gewalt gegen Frauen. Gefragt wurde nach Gewalterfahrungen, die von Herumschubsen und Stoßen über Ohrfeigen und Faustschläge bis hin zu Stichen oder Schüssen reichen. Als sexuelle Gewalterfahrung gilt der durch Halten oder Verletzen erzwungene (oder versuchte) sexuelle Verkehr oder die Einwilligung aus Angst vor solchen Folgen oder auch aus sonstigen Gründen der Verkehr gegen den Willen der Frau. Jede 20. Frau gab an, einmal im engeren Sinne vergewaltigt worden zu sein, also mittels physischer Gewalt.

Erhebliche Zahl sexueller Belästigungen

Nicht als Gewalterfahrung gerechnet wurden sexuelle Belästigungen. Dies erfahren zu haben gaben 45 oder – je nachdem, ob Annäherungsversuche, sexistische Witze oder unerwünschte Nacktfotos als sexuelle Belästigung aufgefasst werden – 55 Prozent der Befragten an.