ZEIT-Artikel erklärt Jugendgewalt

Einer der wenigen Artikel, die ich gelesen habe, der hinter die Kulissen blickt und eine Ahnung von dem vermittelt, was da einem auf der Straße begegnen kann:

In der ZEIT heißt es unter dem Titel Jugendgewalt: Gegen den Kopf:

David sieht die Straßengewalt als Trend, als Mode. Er war selber Teil dieses Trends und hat weiter Kontakt mit »den Jungen«.

»Du bist jung, verbringst deine Zeit mit deiner Gruppe, aber jeder Raum, in dem du bist, ist kontrolliert: im Club die Kamera, im Job wird auf dich aufgepasst, in der Schule, zu Hause, im Internet. Wir sind extrem behütet. Das ist ein Ding der Rebellion.« Man suche Freiräume, wo man nicht überwacht werde, Räume, wo man sich frei und sicher fühle in der Gruppe. »Viele Leute, die so rumziehen, kommen ja aus, ich sag mal, dem Mittelstand, vielleicht auch aus einem alternativen Elternhaus. Die Eltern haben alle Freiheiten erkämpft. Und heute? Es gibt fast keine Tabus mehr. Es ist ja eigentlich alles erlaubt.«

Doch der Kampf sei ewig. Immer habe es Männergruppen gegeben, die zum Kämpfen losgezogen seien: »Gewalt in der Gruppe, wir und sie, und dann: Pamm! Wir halten zusammen, wir schauen aufeinander.«

Die Einschätzung, die daraus folgert, mag pessimistisch sein: Welche Sanktionen, welche Erziehungsmaßnahmen, welche Schritte mögen solcherlei Gewalt eindämmen, wenn ihre Ursache gerade eben Liberalität und Toleranz ist? Wenn sie nur Rebellion um der Rebellion willen sind, weil es nichts gibt, gegen das man noch rebellieren könnte?

Und wenn diese Gewalt immer nur in der Gruppe entsteht, weil – und das ist keine neue Erkentnis – die Mitglieder der Gruppe nur in der Gruppe stark sind und als Einzelindividuen nichts weiter als Schwächlinge, dann kann eine Gegenwehr auch nur in der Bandenbildung liegen? Bürgerwehren sind man in Deutschland nicht gerade gerne… doch wenn die Menschen das Gefühl haben, dass sie ausgeliefert sind, dass Polizei, Justiz und Sozialinstituionen versagen: Was werden sie tun?