Messerstich nicht wahrzunehmen

Im Training dozieren die Krav Maga-Instructors gerne darüber, dass man bei in der hektischen Situation einer gewalttätigen Auseinandersetzung oft gar nicht mitbekommt, ob geschlagen oder gestochen wird. In der Offenbach Post vom 5. Mai findet sich ein Beleg dafür. Dort heißt es in einem Artikel über eine Gerichtsverhandlung über einen Vorfall in Hanau:

Der Geschädigte, (…), konnte nur berichten, dass er von dem Angeklagten bei einer handgreiflichen Auseinandersetzung einen Schlag auf die Brust bekommen habe. Danach habe er bemerkt, wie aus seinem Brustbereich Blut floss. Er musste sofort notärztlich behandelt werden und fünf Tage stationär im Krankenhaus verbringen. Ob der Angeklagte mit einem Messer oder einem anderen spitzen Gegenstand zugestochen hat, konnte auch das Opfer nicht mehr sagen. Ein Messer habe er nicht gesehen.

Deshalb behandeln wir Faust- wie Messerangreife nahezu gleichermaßen. In einer solch extrem intensiven Situation ist der Biocomputer namens Gehirn nicht in der Lage, schnell und zuverlässig alle Varianten des Geschehens zu beurteilen und durchzurechnen. Also sollte es gar nicht erst in Entscheidungsnöte kommen – handelt es sich um einen Messerangriff… oder durch „nur“ um einen Faustschlag?Und man sollte einem geraden Fauststoß wie einem geraden Messerstich mit nahezu der gleichen Verteidigungs- und Folgetechnik behandeln wie Schwinger und Messerstich von außen oder wie Aufwärtshaken und Messerstich von unten. Das Simplifizieren und Reduzieren ist eine der großen Stärken des Krav Maga.