Politiker, mal wieder U-Bahn fahren!

Wer nach Argumenten sucht, warum es besser sein mag, den eigenen Kräften zu vertrauen als den staatlichen, wird in diesem FAZ-Artikel (Maybritt Illner: Tottreten) einige finden: Darin geht es um eine Talkrunde bei Maybeit Illner, die – zumindest nach FAZ-Darstellung – Anlass zur Sorge bietet, ob und wie der Staat und seine Organe Gewaltexzessen wie im Falle des jüngst in Berlin auf dem Alexanderplatz zu Tode geprügelten Jonny K. Einhalt zu gebieten vermag.

Zitat aus dem Artikel:

Die Journalistin Güner Balci schilderte, wie brutale Schläger ganze Wohnviertel in Angst und Schrecken versetzen und jede wohlmeinende, sogenannte „begleitende Sozialarbeit“ ins Leere läuft. Täter wie die vom Alexanderplatz seien eine Gefahr für die Gesellschaft, die müsse man einsperren. Manchmal sehen das auch Richter so. Doch wie nun bekannt geworden ist, kam der Hauptverdächtige, ein polizeibekannter Schläger, der schon im Kindergarten auffiel und schließlich Boxen ging, also weiß, wie man sich prügelt, immer wieder mit geringen Strafen und Empfehlungen, sich zu bessern, davon.

Und:

Die Einlassungen des Polizeigewerkschafters, wonach das große Berlin heute zwar mehr Gewalttaten verzeichnen muss, aber nicht einmal mehr so viele Polizisten hat wie einst das eingeschlossene, recht übersichtliche Westberlin, wären es da eher gewesen. Knapp zusammengefasst wäre sein Befund. Die Sicherheit werde kaputt gespart, dafür wird viel Geld für vermeintlich gute Taten zum Fenster hinausgeworfen.

408 Millionen Euro gibt die Stadt Berlin für Gewaltprävention aus, Milliarden sind es in der ganzen Republik. Wendt bezweifelt, dass diese gigantische, fest etablierte „Hilfsindustrie“, wie er sie sarkastisch beschrieb, wirklich sinnvoll arbeitet.

Schließlich:

Vielleicht sollten sich Politiker doch Güner Balcis Rat zu Herzen nehmen und ab und an in Berlin des Nachts mit der U-Bahn fahren oder die kleinen Polizeimeldungen, die es nicht mehr in die Nachrichten schaffen, etwas genauer zu lesen…