Selbstverteidigung gegen Bahnsteigschubser

Bahnsteigschubser

Ein Mann – offensichtlich geistesgestört – stößt eine Mutter und ihr Kind vor einen in den Frankfurter einfahrenden ICE. Der Fall ist bekannt. Was lässt sich zum Bahnsteigschubser aus Perspektive des Krav Maga sagen?

Zunächst einmal: Selbstverteidigung hat viel weniger mit Treten und Schlagen zu tun, als man gemeinhin glaubt. Sondern vor allem mit Prävention – d.h., Wahrnehmung und Verhalten. Ohne Wahrnehmung gibt es im Grunde überhaupt keine Selbstverteidigung – die Chance zur Selbstverteidigung fängt mit Wahrnehmung erst an.

Mütter sind Leib-Wächter

Es ist so, wie mir vor vielen, vielen Jahren der Personenschützer einer sehr bekannten deutschen Millionärsfamilie sagte: Wenn ich Schießen, Treten oder Schlagen muss, habe ich eigentlich versagt. Dazu darf es gar nicht kommen, dann mache ich meinen Job gut.

Wir Normalbürger sind auch Profis: Profis der eigenen Gesundheit und Unversehrtheit bzw. der unserer VIPs, unserer Very Important Persons – das dürften diejenigen sein, die uns am nähesten stehen. Jede Mutter ist ein Leib-Wächter – ihrer Kinder.

Wahrnehmung als wichtigstes Mittel

Wer sich die wichtigsten Sinnesorgane der Wahrnehmung verstopft, indem er Augen & Ohren mit digitalen Kleingeräten & Ohrstöpseln, mit Tele- und Videofonieren beim Gehen und Warten blockiert, beraubt sich selbst des wichtigsten Mittels der Selbstverteidigung. Ich kann mich gegen nichts wehren, wenn ich es gar nicht oder zu spät erkenne.

Um so mehr, als dass lärmende und pöbelnde Trunkene vielleicht noch wahrgenommen werden, wenn die Augen aufs Display des Smartphones starren und die Ohren sich der persönlichen Lieblingsmusik widmen.

Einfache Verhaltensregeln reichen

Aber ein völlig überraschend, ohne vorherige Anzeichen von hinten schubsender Geistesgestörter? Den kann man nur erkennen, wenn man wach und aufmerksam ist. Und ein paar Verhaltensmaßregeln beachtet:

  • an jedwedem Bahnsteig niemals an der Bahnsteigkante stehen. Mindestens zwei, eher drei Meter Abstand halten.
  • So eilig kann man es nicht haben, dass man nicht warten kann, bis die Bahn oder der Zug zum Stillstand gekommen ist. Sollen sich die anderen doch ruhig vordrängen… Wenn man in der S- oder U-Bahn dann stehen muss? Umso besser, weil besserer Überblick und mehr Bewegungsmöglichkeit, wenn es zu Übergriffen in der Bahn kommen sollte. Und außerdem sitzt man im modernen Arbeitsleben ohnehin zuviel. Und im ICE? Hat man doch eh meistens eine Platzreservierung – da muss man nicht vorne am Gleis stehen, um so schnell wie möglich reinzukommen…
  • Immer mit dem Rücken zu etwas Festem stehen: einer Plakatwand, einem Ticket- oder Getränkeautomaten.

Das ist kein Vorwurf an die Mutter, sondern nur das was ich tue. Und was ich jede/m empfehle. Sehr simple Verhaltensregeln, die die Attacke eines Bahnsteigschubsers im Keim vereitelt.

Krav Maga-Techniken gegen Bahnsteigschubser

Am gestrigen Donnerstag haben wir die Situation im Krav Maga-Training durchgespielt – also diverse Techniken und Taktiken gegen Schubser, Rempler, Stöße von hinten. Es gibt einige sehr gute Abwehrmöglichkeiten gegen solche Attacken, aber dennoch: Steht man weniger als zwei Meter vor der Bahnsteigkante hat ein entschlossener, kräftiger Angreifer Erfolg.

Und dabei wussten alle Trainierenden, trotz Ablenkungseffekte und Stress-Induktion, dass sie von hinten geschubst werden würden. Um wieviel weniger noch wäre die Chance, wenn sie aufs Smartphone glotzen und Musik dabei hören würden?