Sprunghafte Nachfrage nach Selbstverteidigung

Screenshot 2016 01 08 16 30 57Screenshot aus der Online-Ausgabe der Offenbach Post

Die Vorfälle der Silvesternacht in Köln ziehen ein gewaltiges mediales Echo nach sich. Gestern rief der Hessische Rundfunk wegen eines Drehtermins bei uns an, und auch die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldete sich. Deren texte werden in einer Vielzahl bundesdeutscher Tageszeitungen publiziert, so auch der ortsansässigen Offenbach Post.

Reporterin und Fotograf kamen gestern zu uns in Training und befragten Krav Maga-Instructorin Beate Bechmann speziell zu Selbstverteidigungskursen für Frauen. Sie wird zitiert:

In den Frauenkursen, die Bechmann seit zehn Jahren anbietet, geht es um Situationen, die niemand erleben will. Was die 54-Jährige zeigen will: „Wenn Du Dich wehrst oder auch erst mal nur laut schreist, dann bist Du kein Opfer mehr, sondern ein Gegner.“

(…)

Die Methode, die Bechmann in Offenbach Frauen und Männern beibringt, wurde vom israelischen Militär entwickelt und heißt „Krav Maga“, auf deutsch „Kontaktkampf“. Dabei handele es sich nicht um einen Kampfsport, sagt die Trainerin: „Wir üben Techniken, die wir auf der Straße anwenden können, in Stresssituationen, wenn wir auf einen stärkeren Gegner treffen, der nicht unserer Gewichtsklasse entspricht.“

Außerhalb der Seminare üben Männer und Frauen zusammen. Eine Teilnehmerin, die 41-jährige Ayse aus Frankfurt, berichtet, sie sei seit vier Jahren dabei. „Ich fühle mich jetzt sicherer, weil ich weiß, was ich im Ernstfall tun könnte.“ Teilnehmerin Marion sagt, ihr gebe es Sicherheit, wenn sie merke, dass sie Techniken lerne, die sie automatisch und ohne lange nachzudenken anwenden könne.

Die Geschehnisse von Köln sind auch beim abendlichen Training in Offenbach Thema. Ginge es überhaupt als Frau, einer größeren Männergruppe zu entkommen, will eine Teilnehmerin wissen. Im Gegensatz zu Situationen mit nur einem Angreifer seien die Möglichkeiten in so einem Fall begrenzt, erklärt Bechmann. Das wären sie auch für einen Mann. Dennoch gelte, die Schockstarre zu überwinden und sich mit allen Mitteln zu wehren, um fliehen zu können: „Die Chance, die es gibt, ist das Überraschende – nämlich zu zeigen, dass Du es nicht mit Dir machen lässt.“

Außerdem heißt es in dem Text weiter:

Statt wie normalerweise Anfang Januar rund 30 seien es jetzt schon rund 60 Anfragen. „Wir werden ein Extra-Frauenseminar anbieten, weil das nächste regulär geplante schon voll ist“, sagt die Trainerin. „Wir werden überrannt zur Zeit.“

Der vollständige Artikel findet sich unter dem Titel Selbstverteidigungskurse in Offenbach werden überrannt in der Offenbach Post. Das bei uns entstandene Bild des dpa-Fotografen wird auch von der BBC genutzt, um einen Artikel über die Vorfälle in Köln zu illustrieren: Cologne Attacks: Germans Left Feeling Vulnerable.

Tatsächlich sind der Februar- und März-Wochenendkurs schon jetzt überbucht. Und auch das für Juni geplante Seminar wird kaum an Teilnehmerinnen-Mangel leiden. Weil wir unsere Frauen-Kurse auch unter psychologischen und mentalen Aspekten angehen, entsprechendes Fachpersonal auch aus dem sozialpädagogischen und therapeutischen Bereich und außerdem ein gut geschultes Angreifer-Team einsetzen, lassen sich die Kurse nicht beliebig aus dem Boden stampfen. Für das Trainer-Team ist der Frauen-Selbstverteidigungskurs auch eine physische und psychische Herausforderung.