Krav Maga Camps in Israel: How to survive under stressful conditions

Zweieinhalb Wochen bin ich nun in Netanya, davon waren zwei Wochen dem ganztägigen Training gewidmet. Aus früheren Triathlon-Trainingslagern wohlbekanntes Motto: Train – eat – sleep. So auch in den Krav Maga Camps in Israel für Graduates und Experts: Morgen ist der Rückflug in die Heimat.

Krav Maga Training im CQB

Krav Maga Training im CQB während des KMG Expert-Camps 2013 in Israel.

 

Tatsächlich handelte es sich um zwei Trainingslager: das G-Camp und das E-Camp. ‚G‘ steht dabei für Graduate,’E‘ für Expert. Vereinfacht gesagt, besteht die Rang- und damit Kenntnis-Abstufung im Krav Maga der beiden großen, weltweit operierenden KM-Organisationen KMG und IKMF aus drei Einheiten – Grundstufe („Practicioner“), Mittelstufe („Graduate“) und Oberstufe („Expert“). Diese Stufen sind jeweils von 1 bis 5 unterteilt; genauer hierarchisiert. Also P1-5, G1-5, E1-5.

Wenn man so will, entsprechen die Expert-Ränge dem Schwarzgurt in traditionellen Kampsportarten bzw. Kampfkünsten, wobei hier wie da ein 3. Grad (3. Dan / Expert 3) schon sehr selten sind. Folglich gibt es in KMG gerade eine Handvoll Expert 3, 4 und 5 – nicht nur, aber überwiegend Israelis.

Da die Camps vorwiegend dazu dienen, sich den Feinschliff für den Test aufs nächsthöhere Level zu holen, sind P5-Inhaber berechtigt, am G-Camp teilzunehmen, und G5-Inhaber am E-Camp. Folglich ist der Anteil an P5/G5-Inhabern am jeweiligen Camp groß – beim diesjährigen E-Camp dürfte er bei mehr als zwei Dritteln gelegen haben. Der Rest bestand aus E1 (wie mir) und E2, dazu einige wenige E3.

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Die Besonderheit des no-nonsense-simple&stupid-Systems Krav Maga macht es freilich aus, dass man nicht „Schwarzgurt“ zu sein braucht, um zu unterrichten. Angehörige der Mittelstufe – also ab G1 – können die Grundstufe, also P1-5, trainieren; im Rahmen ihres Levels, ihrer Kenntnisse und ihres Verständnisses des Systems Krav Maga. G1/G2 entsprechen etwa Grün-/Blaugurt im traditionellen Ansatz, G3/4 Blau-/Braungurt, G5 Braungurt (neunstufige Schülergraduierungen gibt es beispielsweise auch in einigen traditionellen Karate- und Taekwondo-Richtungen).

Um sich weiter zu entwickeln, ist es daher für G-Level opportun, sich von einem höherrangigen G- oder E-Level unterrichten zu lassen – nicht nur, was Technik & Taktik als solche anbelangt, sondern auch in puncto Hintergrund und methodisches und didaktisches Verständnis (Anmerkung: KM unterrichten darf nur, wer den so genannten General Instructor’s Course (GIC) absolviert hat: eine 23-24tägige Intensivveranstaltung, die es in sich hat).

Um schließlich auf G- und E-Camp zurück zu kommen: Außer dem eigenen Training am Heimatstandort spielen bei der Fortbildung und Weiterentwicklung die G- und E-Camps eine besondere Rolle. Denn dort trifft man nicht nur auf hochrangige Instructors, sondern eben auch zahlreiche Kollegen aus allen Ländern der Welt auf gleicher oder höherer Ebene. Dieses Kennenlernen, zusammen trainieren, der Austausch dabei ist von unschätzbarem Wert. Für viele KMG-Instructors sind die Camps in der Mitte des Jahres der Höhepunkt des Jahres, vielleicht der ganzen Laufbahn.

Krav Maga Camps = Fortbildung in jeder Hinsicht

Im Mittelpunkt der Camps steht konsequenterweise die Arbeit am Level-relevanten Material – ob man nun den Test zum nächsthöheren Level nun macht oder nicht. Und da die meisten der anwesenden G- und E-Levels auch den GIC absolviert haben, also Instructors sind, findet nebenbei auch eine Trainer-Fortbildung statt. Allerdings steht die Qualifizierung fürs nächsthöhere Level eindeutig im Vordergrund der Camps.

Im G-Camp kamen inklusive meiner Frau, KM-Instructorin und Mit-Schuleignerin Beate und mir rund 60 Leute zusammen (darunter einige Frauen). Während Beate, aka „B-Boss“, als G3 nach dem (vier- bzw. sechstägigen) G-Camp und ein paar anschließenden Urlaubstagen am Strand in Netanya den Heimweg antrat, setzte ich meinen Aufenthalt im Mutterland des Krav Maga mit der Teilnahme am (sechs- bis achtätigem) E-Camp fort.

Die Trainingsorte waren bei Camps ähnlich: das berühmte israelische Sport- und Militärinstitut Wingate, der Strand in Netanya, der Wald bei Kadema, eine Schulsporthalle, im E-Camp zusätzlich ein Country Club in Haifa und ein CQB*-Gelände in Beit Berl.

Jeweils zwei Trainingspartner wurde ein Set Equipment zugeordnet, dass immer dabei zu sein hatte: Stock, Messer, Pistole, Sturmgewehr, große Pratze. Dazu die eigenen Boxhandschuhe für Sparring und Fighting Drills. Beide Camps wurden nahezu ausschließlich von KMG-Begründer und Head Instructor Eyal Yanilov unterrichtet, hochrangige Mitglieder des Global Instructing Team (GIT) wie Tommy Blom (E5), Ilya Dunski (E4) und Rune Lind (E4) standen ihm zur Seite. Da blieb keine Frage, kein Nachhaken unbeantwortet, kein Fehler unkorrigiert.

Mentaltraining im Krav Maga: stressful situations

Eine Theorie-Stunde über Stressbewältigung und Mentaltraining wurde von Ole Boe gehalten, KM Expert 3, im Hauptberuf Militärpsychologe und Professor an der norwegischen Militärakademie und auch in NATO-Diensten. Dort arbeitet er mit den Kadetten als auch mit Spezialeinheiten betreffs ‚combat mindset‘ und Stressbewältigung in Extremsituationen. Eyal Yanilov vermittelte ein paar praktische Mental-Übungen am Schlusstag des E-Camps. Damit wurde der Krav Maga-Triangel aus technischen, taktischen, physischen Aspekten quasi mit den mentalen ergänzt.

G- und E-Camps: Unterm Strich ein „Booster“, ein Turbo, ein Beschleuniger in jedweder Krav Maga-Laufbahn… Kompakte, verdichtete Erfahrungen und (Er-)Kenntnisse für alle Teilnehmer, egal, welchen Levels.

Go for it!

*Closed Quarter Battle, also Training in beengter und einschränkender, realistischer Umgebung.

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