Tottreter und die Kriminalitätsstatistik

Die FAZ hat einen sehr grundsätzlichen Artikel zu Jugendgewalt und Jugendstrafrecht veröffentlicht, den man nur zur Gänze zur Lektüre empfehlen kann. Er ist betitelt Jugendstrafrecht: Tottreter

München ist auch andernorts. Bei einem Prozess in Berlin behaupteten jetzt Schläger, sie hätten nicht geahnt, wie gefährlich Tritte gegen den Kopf sind. Damit entledigten sie sich des Tötungsvorsatzes. Eine neue Studie aber widerspricht dieser Voraussetzung vieler Urteile.

Im Artikel wird von einem Opfer von vier Jugendlichen erzählt, das schwer verletzt überlebt und lange an den schwerwiegenden Folgen leidet. Und von ihrer Reaktion in der Gerichtsverhandlung („auswendig gelernte Entschuldigungen“). Dann überlegt die Autorin weiter, ihre Gedanken kreisen vor allem darum, dass die Angeklagten immer behaupten, sie hätten nicht gewusst, was Tritte gegen den Kopf ausrichten können:

Keiner der Schläger hat eine nette, normale Kindheit erlebt, keiner die Schule ohne Probleme absolviert. Einer spielt immerhin Fußball, was nahelegt, dass er weiß, was gezielte Fußtritte auszurichten vermögen. Alle haben ein umfängliches Vorstrafenregister, auch von eingestellten Verfahren wegen Körperverletzung ist die Rede. Sie haben sogenannte Anti-Gewalt-Trainings absolviert, was sie dort gelernt haben und ob man dabei überhaupt etwas lernen kann, steht in Frage. Es ist eine Katastrophe unter Hunderten, die sich immer wieder im gleichen Milieu abspielen, nicht nur in Berlin. Und wie ebenfalls fast immer behaupten auch diese jugendlichen Täter, keine Ahnung davon gehabt zu haben, was sie anrichten. Was natürlich nicht stimmt. Aber es ist eine Schutzbehauptung, die viele Urteile beeinflusst, zugunsten der Täter, zum Schaden der Opfer.

Des weiteren stellt sie Beunruhigendes zu diversen Statistiken fest, mit der man den Bürger beruhigen will, mit denen man suggerieren will, das alles nicht so schlimm ist – aber das sollte jeder selbst im Original nachlesen.